Vollerhebung oder Teilerhebung (Stichprobe)?

Primärerhebungen werden angewendet, wenn man aus vorhandenen sekundärstatistische Daten nicht die erforderlichen Informationen gewinnen kann. Werden alle  in Frage kommende Personen befragt spricht man von Vollerhebung. Wird nur ein bestimmter […]

Primärerhebungen werden angewendet, wenn man aus vorhandenen sekundärstatistische Daten nicht die erforderlichen Informationen gewinnen kann. Werden alle  in Frage kommende Personen befragt spricht man von Vollerhebung. Wird nur ein bestimmter Prozentsatz aller Personen befragt spricht man von Teilerhebung.

Teilweise ist die Grundgesamtheit aber so groß, daß man gezwungen ist, eine Teilerhebung, also eine Stichprobe, durchzuführen. Dies ist aber nur dann möglich und sinnvoll, wenn von der Stichprobe auf die Grundgesamtheit und deren Eigenschaften geschlossen werden kann. Auch wirtschaftliche Überlegungen können bei der Entscheidung ob Vollerhebung oder Stichprobe eine wesentliche Rolle spielen, da die Totalerhebung weitaus zeitaufwendiger und kostenintensiver ist als die Stichprobe.

Bei der Teilerhebung (Stichprobe) unterscheidet man zwischen Zufallsorientierte Verfahren und Nicht zufallsorientierte Verfahren. Zufallsorientierte Verfahren können als Einfache Stichprobenverfahren, Geschichtete Stichprobenverfahren, Flächenstichprobenverfahren oder Klumpenstichprobenverfahren durchgeführt werden.

Bei den nicht auf Wahrscheinlichkeit beruhenden Auswahlverfahren wird die Repräsentanz nicht dem Zufall überlassen, sondern subjektivem (sachverständigem) Ermessen. Trotzdem ist die Auswahl so zu gestalten, daß sie die relevanten Merkmale der Grundgesamt­heit widerspiegeln. Hier kann man verschiedene Verfahren anwenden wie z. B. Typische Auswahl, Willkürliche Auswahl, Konzentrationsauswahl oder Quotenauswahlverfahren

Zufallsstichprobe ist eine Teilerhebung, bei der der Fehler, der durch die Beschränkung auf einen Teil der Grundgesamtheit entsteht, berechenbar ist. Die Frage, ob ein Element in die Auswahl gehört oder nicht wird bei diesem Verfahren dem Zufall überlassen.
Zufall bedeutet, daß jedes Element der Grundgesamtheit die gleiche von Null verschiedene Chance besitzen muß, in die Teilauswahl zu kommen.

Voraussetzung für die Zufallsauswahl:
Die Grundgesamtheit muß vollständig bekannt sein und vollständig erfaßt vorliegen

Möglichkeiten der Durchführung:

  • mittels Kartei, Liste oder Datei
  • Problem: Brauchbarkeit der vorliegenden Daten (aktuell und vollständig oder veraltet und lückenhaft)

Einfaches Stichprobenverfahren:

  • Auslosen/Auswürfeln: nur bei kleinen Grundgesamtheiten
  • Zufallszahlentafeln/-tabellen: Zufallsgenerator, fertige Tabellen, die man beziehen kann
  • Systematische Auswahl: jeweils eine bestimmte Anzahl von z.B. Karteikarten bleibt unberücksichtigt, andere werden gezogen
  • Buchstabenauswahl: Auswahl nach bestimmten Anfangsbuchstaben, z.B. des Nachnamens
  • Geburtstagsverfahren: Leute, die an einem bestimmten Tag (zufällig) Geburtstag haben

Geschichtetes Stichprobenverfahren.:
Hier wird die zu analysierende Grundgesamtheit nach bestimmten Kriterien, sogenannten Schichtungsmerkmalen (z.B. Groß, Mittel- und Kleinbetrieben)  zerlegt (geschichtet). Die Stichproben erfolgen dann zufallsorientiert aus der jeweiligen Teilgesamtheit/Schicht. Die verschiedenen Schichten müssen nicht gleich sein. Bei der Ermittlung  des Endergebnisses werden die Ergebnisse der einzelnenen Schichten nach dem Verhältnis der Schichten gewichtet.

Beispiel: 600 Befragungen sollen durchgeführt werden. Großbetriebe =20%, Mittelbetriebe = 30%, Kleinbetriebe = 50%
Bei 600 Befragungen wären in den einzelnen Klassen die folgende Anzahl von Personen zu befragen:

Großbetriebe: 120
Mittelbetriebe: 180
Kleinbeterieb: 300

Klumpen – Stichprobenverfahren:
Beim Klumpenstichprobenverfahren erfolgt die Stichprobe in zwei Stufen. Dabei wird die Grunggesamtheit in eine Anzahl an Erhebungseinheiten (Klumpen- z.B. Straßenzüge, Schulklassen, Bezirke) eingeteilt, aus denen dann die endgültige Stichprobe gezogen wird.

Flächen – Stichprobenverfahren:
(Sonderf. der Klumpenauswahl)
Dieses Verfahren bietet sich immer dann an, wenn nur eine Landkarte oder ein Stadtplan über ein Auswahlgebiet vorliegen. Hier wird ein geographisches Gebiet in Teilregionen aufgeteilt und die Flächen nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Mehr Personen in kleineren Flächen zu befragen, ist wesentlich effizienter als die gleiche Stichprobengröße im gesamten Gebiet zu erheben.

Nicht-zufallsorientierte Verfahren

Typische Auswahl:
Konzentration auf solche Elemente der Grundgesamtheit, die ganz besondere Merkmale in spezifischer Ausprägung in sich vereinen, z.B. der typische Mercedes Fahrer, der typ. Aldi Käufer, die typ. Hausfrau.

Grundsätzliche Frage: „Gibt es den typischen … überhaupt?“

Willkürliche Auswahl:
Hier liegt bei der Befragung kein expliziter Plan zugrunde, d.h. die zu befragenden Einheiten werden aufs Geratewohl bestimmt. Ein Beispiel für die im Rahmen dieses Verfahrens anzuwendende Technik wäre die Befragung aller Menschen, die zu einer best. Stunde über den Bahnhofsplatz der Stadt gehen. Je nach Tageszeit wird man dann in der Mehrzahl Berufstätige, Schüler oder Fernreisende antreffen, deren Urteile aber keineswegs das Meinungsbild der Bewohner der ganzen Stadt wiedergeben. Eine solche Auswahl führt wegen ihrer Einseitigkeit zu verzerrten Ergebn. und ist damit praktisch wertlos.

Konzentrationsauswahl (Abschneideverfahren):
Bei einer heterogenen Grundgesamtheit konzentriert man sich bewußt auf die aussagekräftigen Elemente und vernachlässigt die weniger bedeuamen Elemente (Prinzip der Wahrscheinlichkeit). Der Auftraggeber entscheidet subjektiv inwieweit ihm die Genauigkeit der Stichprobe genügt (z.B. wenn 10% der Kunden 50% des Umsatzes ausmachen ? vgl. ABC- Analyse).

cut-off-Stichprobe repräsentiert also nur einen Teil der Grundgesamtheit, der abgeschnittene Teil bleibt außen vor

Quotenauswahlverfahren:
Das Quotenauswahlverfahren ist das in der Marktforschung am häufigsten angewandte Verfahren der bewußten Auswahl.

Kennzeichen:

  • Verteilung bestimmter Merkmale in Grundgesamtheit bekannt.
  • Repräsentativität durch Vorgabe von Quoten gemäß dieser Verteilung
  • Interviewer sucht Auskunftspers. nach Quoten, nicht nach Adressen (12 Personen in Berlin-Dahlem, davon 8 männlich und 4 weiblich)

Vorteile:

  • einfach, billig
  • gute Ergebnisse
  • in Praxis akzeptiert

Nachteile:

  • Qualität hängt von Durchführung ab
  • Interviewerwillkür bei der Auswahl
  • theoretisch Fehlerrechnung unmöglich

Ich hoffe, ich konnten Ihnen die Vollerhebung gegenüber der Teilerhebung ein wenig näherbringen sowie die zufallsorientierten- und die nicht zufallsorientierten Verfahren einer Stichprobe.

Quelle: Weis, Hans-Christian, Marketing, 10 überarbeite Aufl., 1997
Prof. Dr. Christian Behrends, Prof. Dr. Michael Schlesinger, Scriptsammlung Marketing, FH-Fulda, 1995

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Über Dieter Koenig

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